Wider die Machtwirtschaft – eine Buchrezension

Dr. Gerhard Schick gehört zu jenen Bundestagsabgeordneten, vor denen ich einen riesigen Respekt habe. Er vermag es, mit einfachen Worten hochkomplexe wirtschaftliche Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen und legt sich auf einem soliden fachlichen Fundament stehend zugunsten der Verbraucher auch gerne mit Lobbyisten an. Umso gespannter war ich, als ich erfuhr, dass er ein Buch über „Machtwirtschaft“ schrieb und kaufte mir das Buch.

Mit einem guten und flott lesbaren Stil beschreibt Gerhard Schick in dem Buch die Mechanismen, mit denen sich die Wirtschaft nicht nur in unserem Staat, sondern auch international, demokratisch nicht legitimierte Machtzentren schuf und die Mechanismen demokratischer Kontrolle dieser Machtzentren schlicht versagen.

Wenn Größe eines Unternehmens im Finanzmarkt zum Selbstzweck wird; ein Selbstzweck allein des Status der Systemrelevanz wegen, welcher das Anzapfen des Steuerzahlers zum Schutz vor der Insolvenz ermöglicht, dann läuft etwas wirklich schief.

Wenn Gerhard Schick die weltweiten Unternehmenskonzentrationen aufzeigt, die verdeckt auf wenige weltweit agierende Konzerne zurückzuführen sind und sich durch die Internationalität komplett aus der Rechtsbindung verabschieden können, dann zeigt diese Schilderung eine Dimension des Problems auf, die nicht mehr ignoriert werden kann.

Seine Schilderungen verschlagen einem hier und da den Atem. Die Beschreibung, wie die BaFin – eine eigens zur Finanzmarktkontrolle eingerichtete Behörde – wesentliche Fehlentwicklungen der Finanzmarktkrise schlicht verschlief und von der Entwicklung überrascht wurde, ist schon erschreckend.

Gerade das Thema Finanzmarktkrise nimmt in dem Buch einen breiten Raum ein. Die Finanzmärkte sind ja bekanntermaßen das große Thema Gerhard Schicks. Er zeigt in dem Buch gut nachvollziehbar die Mechanismen auf, wie Banken Steuerzahler der verschiedenen Länder Europas schlicht abzockten und sich die Taschen zu Lasten der Allgemeinheit füllten.
Und er beschreibt auch treffend, wie die anlagewilligen Bürger aufgrund falscher Vertriebsanreize abgezockt werden, wenn ihnen schlechte Produkte angedreht werden, weil die schlechten Produkte höhere Provisionen für den Verkäufer versprechen.

Seine Darstellung, das es für Wirtschaft preiswerter ist, in Lobbyarbeit zu investieren, um überholte Geschäftsmodelle zum Schaden des Verbrauchers und Steuerzahlers am Leben zu erhalten, anstatt in neue und bessere Produkte zu investieren, bringen das auf den Punkt, was Beobachter des Lobbyunwesens schon lange kritisieren.
Seine Kritik am personellen Austausch zwischen Wirtschaft und Politik und den daraus resultierenden Interessenkollisionen ist nachvollziehbar und gut begründet. Zu Recht führt Gerhard Schick Klage darüber, dass zuweilen Lobbyisten Gesetzesformulierungen schreiben, die selbstverständlich den Wettbewerb zugunsten der eigenen Klientel verhindern.

So belegt der Autor, dass Machtwirtschaft darauf ausgelegt ist, Marktwirtschaft zu verhindern. Und er zeigt auch auf, dass ein Gegensteuern gegen Machtkonzentrationen Marktwirtschaft überhaupt erst ermöglicht.

Gerhard Schick beschränkt sich aber nicht nur darauf, Missstände zu beklagen, sondern zeigt Perspektiven für Gegenmaßnahmen auf. Grundlage ist hierbei die Wiederherstellung eines gemeinwohlorientierten Rechtsrahmens, der die Grenzen aufzeigt, innerhalb derer sich Wirtschaft bewegen darf.

Vereinfachung und Entschleunigung. Einfachheit ist die Grundlage der Transparenz. Je komplexer ein Mechanismus ist, umso schwieriger ist er zu kontrollieren und umso weniger sind Nebenwirkungen überschaubar.
Auf dieser Grundlage plädiert Gerhard Schick u.a. für das Trennbankensystem und auch ein Entflechtungsgesetz auf europäischer Ebene, dass es ermöglicht, bestehende Großkonzerne über die heutigen Möglichkeiten des Kartellamtes hinaus auch gegen deren Willen in kleinere Einheiten aufzuspalten. Ein „Too big to fail“ darf es nicht mehr geben.

Unter dem Strich plädiert Gerhard Schick vereinfacht ausgedrückt für den ehrbaren Kaufmann vergangener Tage, der vom „Big Business“ verdrängt wurde. Es ist gut, dass er das Buch schrieb.

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