Die Story von einem, der auszog, um seinen Schornsteinfeger zu wechseln – Teil 1

Der „eine“ bin ich selber… und habe es bei dem simplen Versuch eines Anbieterwechsels mit der prallen Realität des Beharrungsvermögens bestehender Monopole zu tun bekommen.

Die Ausgangsgeschichte ist ganz simpler Natur. Wir waren mit unserem Bezirksschornsteinfeger, bzw. dem von ihm beschäftigten Mitarbeiter nicht zufrieden, haben immer wieder dieselben Kritikpunkte mehrfach – auch gegenüber seinem Chef – geäußert und um Abhilfe gebeten. Der Mitarbeiter hatte unser Problem offenbar intellektuell nicht begriffen oder er wollte nicht…

Im Februar war es dann mal wieder so weit – derselbe Mitarbeiter, dieselben Kritikpunkte. Meiner Frau platzte jetzt völlig nachvollziehbar der Kragen und forderte mich auf, mich nach einem neuen Schornsteinfeger umzusehen. Ich rief den Schornsteinfegermeister an, teilte ihm mit, dass es nun sein Genüge habe und dass wir uns anderweitig umsehen würden.
Kann ja nicht so schwer sein – immerhin ist ja seit Januar 2013 das Schornsteinfegermonopol gefallen, dachte ich in meinem nicht mehr ganz so jugendlichen Leichtsinn und machte mich ans Werk.

Was liegt näher, als die Schornsteinfeger in der Nähe des Wohnortes zu kontaktieren. Also – Suchmaschine angeworfen, Schornsteinfeger in Wohnortnähe ermittelt und los ging die Kontaktierei…
Einer von einer ganzen Reihe kontaktierter Schornsteinfegermeister antwortete, signalisierte anfänglich Interesse, um mir dann per Email abzusagen und mitzuteilen, er hätte meine Bitte an einen Kollegen weitergeleitet. Man wartet – nix passiert.
Auch der Kollege meldet sich nicht. Die anderen Schornsteinfeger reagierten überhaupt nicht…

Der Kontaktversuch bei der Brandenburger Schornsteinfegerinnung erwies sich als Fehlschlag. Es kam auch nach einer Woche nicht einmal eine Eingangsbestätigung.

Nach etlichen Recherchen im Internet bin ich auf einen freien Schornsteinfeger in Nord-Berlin gestoßen, der sich unseres Falls annahm und heute die fällige Schornsteinreinigung vornahm.
Wie meine dabei anwesende Frau mir sagte, war sie sehr zufrieden. Der Mann gab sich wirklich viel Mühe, bewegte sich umsichtig und ist auch in Winkel hinter der Heizung gekrochen, die zuvor noch keinen Schornsteinfeger sahen. Entstehender Dreck wurde vor allem unaufgefordert und gründlich beseitigt. was will man mehr.

Mag gut sein, dass diese Schornsteinfegerrechnung höher ausfallen wird, als die unseres Bezirksschornsteinfegers. Wenn man aber weniger Ärger, Stress und Arbeit hat, dann ist er den Mehrpreis wert. Wir werden deswegen jetzt sicherlich bei dem Herrn Heit bleiben.

Mal schauen, wie es weitergeht. Auf irgend eine Reaktion seitens der ausgebooteten Konkurrenz muss man ja schon gefasst sein. Ich werde weiter berichten.

Gelernt habe ich aus diesem Fall, dass die Vertragsfreiheit seitens der Bezirksschornsteinfeger offenbar dazu genutzt wird, die bestehenden Strukturen zu konservieren. Wenn sich keiner bereiterklärt, außerhalb seines Kehrbezirks zu arbeiten und freie Schornsteinfeger behindert werden, so dass es nur wenige auf dem Markt gibt, dann ändert sich nichts – was auch immer die EU-Gesetzgebung fordert.
Vor diesem Grund hat unser kleines ganz persönliches Erlebnis auch eine europapolitische Dimension.

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